Wasserzeichen

16. Juni 2026
Mit einer eindrücklichen Fahrt durch Wildwasser und Schluchten zeigen über 50 Kanut:innen, was auf dem Spiel steht. “Es gibt in der Schweiz in sehr weitem Umkreis kein Gewässer vergleichbarer Grösse, das über eine solch lange Strecke frei fliesst, ohne Eingriffe”, sagt Thomas Rogenmoser von der Kanuschule Versam. Auch für die Ruinaulta ist der Glenner wichtig. “Bei niedrigen Wasserständen trägt der Glenner heute gegen 50 Prozent des Wassers in der Ruinaulta bei”, so Rogenmoser. Genau dieses Stück ungebändigte Natur, die für den lokalen Tourismus so wichtig ist, droht mit der geplanten Wasserableitung im hinteren Lugnez verloren zu gehen.
„Gewässer sind mehr als Energieträger. Sie sind Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Erholungs-raum für Menschen, Grundlage für Tourismus und Trinkwasser, und ein Erbe, das wir an kommende Generationen weitergeben», sagt Veronika Wolff, Vorstandsmitglied im Ressort Gewässer und Umwelt, SwissCanoe. Gerade dynamische Flüsse wie Glenner und Vorderrhein ziehen Paddler:innen aus der ganzen Schweiz und aus den Nachbarländern an - als Trainingsgewässer und als Naturerlebnis in der atemberaubenden Ruinaulta. Ihr Appell: «Der letzte Ausbauschritt der Wasserkraft darf nicht der sein, der die letzten unberührten Fliessgewässer der Schweiz zerstört.»
Auch die Fischerei schlägt Alarm
„Die Surselva, einst ein Eldorado der alpinen Fischerei, ist heute ein grosses Jammertal“,sagt Radi Hofstetter, Präsident Kantonaler Fischereiverband Graubünden. Die Anzahl Fischgänge und Fänge in den Statistiken sind regelrecht eingebrochen. Besser sieht es noch beim Glenner aus. Dieser bildet eine der letzten Lebensadern, wo auch die bedrohte Seeforelle gute Laichplätze finden könnte. Ein zentraler Treiber für den Rückgang der Fischbestände im Vorderrhein ist der extrem schnelle Wechsel zwischen Schwall und Sunk im Takt der Wasserkraftproduktion. In kaum einer anderen Gegend der Schweiz ist dieser künstliche Wechsel zwischen Nieder- und Hochwasser schlimmer als in der Rheinschlucht. Kleinlebewesen und Jungfische werden im Stundentakt weggeschwemmt oder ausgetrocknet. „Deshalb ist die Schwall-Sunk-Sanierung am Vorderrhein dringend nötig“, betont Hofstetter.
Energiewende mit Augenmass
Mit einer Leitung von der Wasserrückgabe in Ilanz bis zum Kraftwerk Reichenau könnte der Schwall abgeführt und gleichzeitig energetisch genutzt werden. ”Mit dieser Schwallausleitung könnte die Ruinaulta nicht nur am effektivsten saniert werden. Dieses Ausleitkraftwerk würde auch viel mehr Strom liefern, als die geplante Überleitung Lugnez” sagt Christopher Bonzi, Gewässerschutzexperte beim WWF Schweiz. Nur, für zwei Ausleitungen, also für die Schwallausleitung und für die Überleitung Lugnez, hat es nicht genügend Wasser. “Es braucht darum eine übergeordnete Lösung, die Natur und Energie zusammen denkt”, sagt Bonzi.
Naturschutz, Fischerei und Kanusport ziehen am selben Strang: Sie verlangen eine Energiewende mit Augenmass – und Flüsse, die weiter fliessen dürfen. Denn: der freifliessende Glenner ist ein Lebens- und Erholungsraum voller Vielfalt und Schönheit. Sein Schutz ist auch für künftige Generationen absolut zentral.
Text: Anita Mazetta, WWF Graubünden
Fotos: Susanne Polap, Nonstop Studio


