In Gedenken an Edouard «Edy» Rothpletz

23. Juni 2026
Wer Edy Rothpletz kannte, der weiss: In Sachen Kanusport machte man dem Paddler vom Mittelländer Kanuclub Aarau so schnell nichts vor. Ob als ausgezeichnert Wildwasserpaddler mit zahlreichen Erstbefahrungen, als erfolgreicher Athlet im Slalom und im Wildwasserrennsport oder als Bootsbauer – Edy hat in allen Bereichen unseres Sports mehr erlebt, als sich manch einer überhaupt vorstellen kann. Die Schweizer Paddelfamilie nimmt mit grosser Dankbarkeit und tiefem Respekt Abschied.
Seine sportliche Bilanz spricht für sich: zahlreiche Schweizermeistertitel, Siege an internationalen Slalomrennen und eine Medaille an der allerersten Abfahrtsweltmeisterschaft zählen zu den vielen Erfolgen, die Edy im Verlauf seiner Karriere erzielte. Doch Wettkämpfe allein waren ihm nie genug. Schon während seiner aktiven Zeit als Nationalmannschaftsmitglied zog es ihn immer wieder hinaus auf Expeditionen ins nahe und ferne Ausland, von denen er regelmässig mit Erstbefahrungen im Gepäck zurückkehrte. Zu seinen aufregendsten Touren gehörten Erstbefahrungen in den Schweizer Alpen, auf Korsika und im Aostatal sowie Expeditionen nach Peru, Ecuador und in die Türkei.
Wer die Ehre hatte von Edys Erfahrungen profitieren zu können durfte den lebhaften Erzählungen von seinen Abendteuern sowie unzähligen Geschichten zur Entwicklung des Kanusports in der Schweiz und auch International lauschen. Seine Leidenschaft für den Kanusport war bis ins hohe Alter spürbar und am Leuchten in seinen Augen beim erzählen sichtbar. Auch lies es sich Edy nie nehmen weiterhin aktiv auf dem Wasser zu paddeln und weiter an neuen Bootsformen zu tüfteln.
Edy beliess es nie beim Zuschauen. Viele Innovationen und Veränderungen in unserem Sport hat er aktiv mitgestaltet – allen voran die Vision vom Wildwasserpark Bannwil gäbe es heute nicht ohne den unermüdlichen Einsatz von Edy. Die Idee einer Wildwasseranlage in der Schweiz war nicht neu, und es hatte über die Jahre schon viele Anläufe gegeben. Doch Edy entschied eines Tages, nicht länger abzuwarten, sondern anzupacken. 2016 begann er, mit der geduldigen Unterstützung seiner Frau die grössten Schweizer Flussläufe nach geeigneten Standorten zu untersuchen – zuerst im Wohnzimmer über der Landeskarte, später direkt vor Ort. Edy investierte unzählige Stunden in Gespräche, Sitzungen und Recherchen, und er scheute sich nicht, eigene private Mittel einzusetzen. Dass die Vision eines Wildwasserparks in der Schweiz heute weiter lebt, ist in erster Linie sein Verdienst.
Mit Edy verliert die Schweizer Paddel-Community einen Pionier, einen Mentor und einen Freund. Seine Spuren reichen von den Wildflüssen dieser Welt bis nach Bannwil. Swiss Canoe spricht den Angehörigen, seiner Frau Selva Rothpletz und allen, die ihm nahestanden, herzliches Beileid aus. Und wie Edy immer seine E-Mails zu beenden pflegte:
«Ahoi», lieber Edy – und von Herzen Dank.