Regatta: Int. Regatta Rapperswil

Sonntag, 4. Oktober 2020 - 20:20

Die 40. Internationale Kanu-Regatta in Rapperswil-Jona glich dieses Jahr einem Zweiländerkampf. Denn anstatt wie traditionell einer Handvoll Nationen nahmen Corona-bedingt nur deutsche Clubs den Weg an den Zürichsee auf sich. Bei wechselhaften Bedingungen entstanden dennoch sehenswerte Rennen.
Als Highlight kristallisierte sich der Sprint am Samstagabend heraus. Beim sogenannten «Sunset-Sprint» über 100 Meter verdeckten heuer zwar die Wolken einen Sonnenuntergang, aber: «Musik und enge Rennen sorgten für gute Stimmung», sagt Andri Summermatter vom Kanuclub Schaffhausen. Er kommt zu diesem Schluss, obschon er sich knapp mit Rang zwei begnügen musste. Der Friedrichshafner Niklas Böhme setzte seine Bootsspitze knapp vor jene Summermatters, der seit diesem Jahr im Organisationskomittee des Anlasses amtet.
Er revanchierte sich dafür mit einem ungefährdeten Sieg am Sonntag über 500 Meter: «Ich wurde nur mässig unter Druck gesetzt. Es war zu spüren, dass die Regatta nicht topbesetzt war», so Summermatter, der zwei Sekunden vor Tim Müller vom KC Rapperswil-Jona (KCRJ) die Ziellinie querte.
Müller sorgte wenig später für Aufsehen: beim Massenstartrennen über 5000 Meter, welches als Schweizermeisterschaft ausgetragen wurde. Der 20-Jährige setzte sich mit Summermatter und dem Luzerner Linus Bolzern an die Spitze. Die drei Nationalkader-Athleten wechselten sich ab in der Führungsarbeit. Als Bolzern bei Rennhälfte führte, stellte eine Motorbootwelle das Kajak von Müller quer. So versperrte er dem Favoriten Summermatter den Weg – und Bolzern hatte freie Bahn. Dieser setzte sich ab; das Verfolgerduo konnte die verlorenen Sekunden durch das Malheur nicht mehr aufholen. Die Schweizermeisterschaft war entschieden. Am Ende siegte Bolzern mit etwas über 20 Sekunden vor Summermatter und Müller. Für den ehemaligen Wildwasserfahrer bedeutet das den ersten Elite-Schweizermeistertitel in der Kanuregatta.
Etwas weniger dramatisch lief dieses 5000-Meter-Rennen bei den Damen ab. Trotzdem sorgten die beiden Lokalmatadorinnen Franziska Widmer und Livia Haudenschild für einen unterhaltsamen Zweikampf. Widmer, ihres Zeichen unangefochtene Dominatorin auf den kurzen Strecken, hatte mit der Ausdauerspezialistin Haudenschild eine hartnäckige Gegnerin. Schon vor zwei Wochen zeigte sich dies an den Schweizermeisterschaften über 1000 Meter. Auch am Sonntag tasteten sich die beiden lange ab. Erst auf den Zielgeraden sorgte die 23-Jährige Widmer für die Entscheidung. Ihrem Endspurt konnte Haudenschild nichts entgegensetzen, mit einer Bootslänge Rückstand – rund zwei Sekunden – musste sie sich mit Silber begnügen.
Ein ähnliche Dominanz wie Widmer legten bei den männlichen Junioren Donat Donhauser (KCRJ) und Lisa Messmer vom KC Schaffhausen bei den Juniorinnen an den Tag. Sie holten sich beide ebenfalls den Schweizermeistertitel über 5000 Meter.

Text: Fabio Wyss
Bild: Seline Haudenschild