Regatta: Weltmeisterschaft Montemor-O-Velho (POR)

Mercredi, 22. Août 2018 - 8:10

Knapp 2000 Athleten kämpfen im portugisieschen Montemor-O-Velho von Mittwoch bis Sonntag um weltmeisterliche Ehren. Am Start sind für die Schweiz Andri Summermatter vom KC Schaffhausen, der schweiz-spanische Doppelbürger und WM-Neuling Alvaro Baturone sowie die beiden Athleten vom Kanuclub Rapperswil-Jona Franziska Widmer und Fabio Wyss. Die Ausgangslage der Athleten unterscheidet sich dabei stark: Während es für die 21-jährige Widmer nach einem Sommer mit vielen U23-Wettkämpfen vor allem um einen positiven Abschluss geht, gilt der Fokus von Wyss und Summermatter schon seit Anfangs des Jahres auf diesen Grossanlass. «Aufgrund einer Verletzung verpasste ich fast die ganze Weltcup-Saison. Dafür konnte ich in Ruhe meine Form aufbauen», sagt der 29-jährige Wyss. Diese Form will Wyss über die 5000 Meter und vor allem im Zweierkajak über die olympischen 1000 Meter beweisen. Sein Bootspartner Summermatter war gezwungenermassen den ersten Teil der Saison alleine unterwegs. Dabei erzielte das 24-jährige Talent eine sehenswerte Ausbeute: persönliche Bestzeiten, ein neunter Rang im Weltcup und die Qualifikation für die European Games. Dank diesen Resultaten will Summermatter im Einer und im Zweier über 1000 Meter angreifen: «Sowohl alleine als auch im Zweier will ich mich für die B-Finals qualifizieren.» Das bedeutet Rang 18 oder besser. Für die einzige Frau im Schweizer Team ist das momentan noch kein realistisches Ziel; sie wolle in erster Linie das Halbfinale erreichen und wichtige Erfahrungen für nächstes Jahr sammeln, meint die Jonerin Widmer. Die heurige WM gilt quasi als Hauptprobe, denn nächstes Jahr werden am gleichen Anlass bereits die ersten Olympiatickets für Tokio 2020 vergeben.

Bericht zum ersten Renntag: Kanuten hadern mit Hundertstelsekunden

Das Zweierkajak mti dem Eschenbacher Andri Summermatter und dem in Rapperswil-Jona wohnhaften Fabio Wyss erwische ein hartes Vorlauflos. Zu hart, für das auf diese Saison hin formierte Duo, wie es sich herausstellen sollte. In einem engen Rennen fehlten nach den 1000 Metern gerade einmal fünf Hundertstelsekunden für ein Weiterkommen. Der enttäusche 29-jöhrige Wyss versucth daraus das Beste zu gewonnen: "Wir haben traditionell erfolgsverwöhnte Nationen wie Russland und Ungarn massiv unter Druck gesetzt. Das und der knappe Rückstand beweisen, dass wir ein ordentliches Rennen gezeigt haben. Es bringt jetzt nichts, zu grübeln, wo diese paar Hunderstel liegengeblieben sind, sondern wir müssen uns nun auf die Einsätze im Einer fokussieren."

Das tat sogleich sein Zweierpartner Summermatter, der drei Stunden später seinen Vorlauf über 1000m in Angriff nahm und sich problemlos durchsetzte. Er habe dabei nicht an seine grenzen gehen müssen und verfüge deshalb noch über Reserven für das Halbfinale am Samstag, sagte der 24-jährige nach seinem Rennen. Ebenfalls zwei Vorläufe bestritt die Teamjüngste Franziska Widerm. Die 21-jährige musste aber über die bei den Damen olympischen 500 Meter Lehrgeld bezahlen. "Das Ziel war ein Halbfinale - und das war meiner Meinung nach nicht zu hoch gesteckt", gibt sie sich konsterniert. Sie schied trotz eines beherzten Rennens wegen nur 9 Hundertstelsekunden aus. Über die Kilometer-Distanz konnte sie ihren ersten Tag an dieser WM trotzdem noch positiv abschliessen. Sie erreichte Rang sechs in ihrem Vorlauf und kämpft morgen (Freitag) um den Finaleinzug.

Bericht zum zweiten Renntag: Halbfinalaus für Kanutin Widmer

Die am hetigen Tag der Kanu-WM einzige im Einsatz stehende Schweizerin Franzsika Widmer verpasste über 1000m eine Qualifikation für das B-Finale - nicht zuletzt wegen etwas Lospech. Sie beendete ihren Lauf zwar als abgeschlagen Letzte, im zweiten Halbfinale hätte es jedoch zu dem für das B-Finale nötigen siebten Platz gereicht. Dementsprechend wenig Gutes kann sie dem heutigen Wettkampftag abgewinnen: "Das war eine lange Saison, ich bin froh, wenn ich etwas Zeit zur Erholung habe." Die 21-jährige Jonerin steht an dieser WM noch im Massenstartrennen über 5000m am Sonntagnachmittag am Start. Der nächste Schweizer Einsatz folgt morgen mit dem Eschenbacher Andri Summermatter, der im Halbfinale über 1000m seine erste B-Finalqualifikation an einer WM erreichen will.

Bericht zum dritten Renntag: "Ich muss zwei Sekunden schneller werden"

Auf den Schultern des Eschenbachers Andri Summermatter lasteten die letzten Schweizer Hoffnungen auf einen Finaleinzug. Über die Königsdisziplin, die 1000m im Kajak Einer, zeigte der 24-jährige eine solide Leistung. Das Ziel der Top 18 verpasste er trotzdem in einem stark besetzten Halbfinale, den Wettkampf beendet er insgesamt auf dem 23. Rang. "Der erste Schlag passte nicht so gut", meint er in der Analyse, danach habe er jedoch umgesetzt, was er sich vorgenommen habe und hielt mit sechs Sekunden auch den Rückstand auf die Spitze in Grenzen. Hinsichtlich der nächsten Saison sagt Andri: "Ich muss sicher zwei Sekunden schneller werden." Für ihn ist mit diesem Wettkampf die Weltmeisterschaft und damit die internationale Saison abgeschlossen. Über 5000m am Sonntag sind nur noch Franziska Widmer und Fabio Wyss im Einsatz. Sie streben nach einer bisher enttäuschend verlaufenen WM nach Wiedergutmachung.

Bericht zum vierten Renntag: Fabio Wyss erreicht zweitbestes Karriereresultat

Fabio Wyss vom KCRJ startete enttäuschend in den Saisonhöhepunkt in Portugal. Zum ersten Mal in seiner Karriere schied er an einer Weltmeisterschaft bereits im Vorlauf aus. Dies trotz der neuen verheisungsvollen Kajak-Zweier Kombination mit dem talentierten Andri Summermatter vom KCSH. Der Routinier wollte diese Schmacht im abschliessenden 5000m Massenstartrennen im Einer vergessen machen. Dies gelang ihm auf eindrückliche Art und Weise. Mit dem siebten Platz erzielte der Langstreckenspezialist das zweitbeste Ergebnis seiner Karriere. "Ich wollte unbedingt einen guten Abschluss an dieser WM, dass es so gut wurde, übertrifft sogar meine Erwartungen", sagt der 29-jährige. Er poliert damit auch die Schweizer WM-Bilanz auf: Es ist der erste Rang für die Schweiz in den ersten 20 an den diesjährigen Weltmeisterfschaften, denn Wyss' Klubkameradin Franziska Widmer verpasste mit Rang 21 auf der Langstrecke ein solches Resultat.

Text/Bild: Fabio Wyss