Regatta: Ein A-Final-Platz und ein European-Games-Ticket ergattert

Montag, 11. Juni 2018 - 13:29

In der serbischen Hauptstadt ging es am vergangenen Wochenende nicht nur um den Titel des Europameisters. Die besten Kanuten konnten auch Quotenplätze für die European Games 2019 in Minsk (BLR) gewinnen. Dieser Multisport-Event findet nächstes Jahr nach Baku 2015 zum zweiten Mal statt. An diesen European Games sind bereits die ersten Quotenplätze für die olympischen Spiele zu ergattern. Möglichst viele Plätze für Minsk zu gewinnen, war dementsprechend auch das Ziel der Schweizer Delegation in Belgrad. Dieses Ziel erlitt gleich zu Beginn der EM Schiffbruch – zumindest teilweise.

Premiere beim Saisonhöhepunkt
Franziska Widmer und Livia Haudenschild zeigten über 500m nicht ihr bestes Rennen und schieden bereits im Vorlauf aus. Über diese Distanz erlitt Widmer auch im Einer das gleiche Schicksal. Gründe dafür zu finden, fallen der 21-Jährigen schwer: «Es ist ärgerlich, ich weiss nicht wirklich an was es gelegen hat.» Für die Kanutin des KC Rapperswil-Jona war es die erste Elite-Europameisterschaft. Der Hauptfokus diese Saison liege auf den kommenden U23-Wettkämpfen trotzdem hätte sie gerne an den erfolgreichen Weltcup-Rennen angeknüpft, sagt Widmer. Erstmals startete sie auch über die Sprintdistanz 200-Meter. Wie auch über 500m kam sie dort nicht über den Vorlauf hinaus. Ein erfolgreicher Einsatz im Einerkajak gelang dafür ihrer Bootspartnerin. Die Jonerin Haudenschild realisierte über die nichtolympischen 1000-Meter eine Premiere: Sie gewann das Halbfinale und stiess dadurch das erste Mal in ihrer Karriere in ein A-Finale im Einer vor.
In den Kampf um die Medaillen konnte sie nach einem eher verhaltenen Start nicht mehr eingreifen, trotzdem kämpfte sie sich nochmals an das Feld heran und erreichte am Ende Rang acht. «Leider hat es knapp nicht gereicht für eine bessere Platzierung. Mit einem A-Finale an meinem Saisonhöhepunkt, bin aber ich natürlich zufrieden», meint die Maschinenbau-Studentin im Nachgang an das Rennen. Sie verpasst aufgrund von Prüfungen an der ETH die Weltmeisterschaften im August und konzentrierte sich deshalb auf die Wettkämpfe in Belgrad. Da bei den Damen die 1000-Meter-Distanz nicht zum Programm der European Games gehört, hoffte sie noch auf ein gutes Resultat im abschliessenden Langstreckenrennen über 5000m. Mit Platz 13. verpasste sie aber die geforderte Top-10-Platzierung.

Taktische Experimente nach gewonnenem Quotenplatz
Obwohl es zu Beginn nicht rosig ausschaute, erkämpfte sich Andri Summermatter als einziger Schweizer einen Quotenplatz. Im Vorlauf schrammte er nur wegen 10 Hundertstel am vorzeitigen Ausscheiden vorbei. Im folgenden Halbfinale zeigte er dafür sein wohl bestes Rennen der Karriere. Als Vierter verpasste er eine A-Final-Qualifikation um nur einen Rang und knapp zwei Sekunden. Hinter ihm klassierten sich langjährige Spitzenfahrer wie der mehrfache Weltmeister aus Dänemark: René Poulsen. Mit der Qualifikation für das B-Finale sicherte sich Summermatter über diese olympische Distanz zudem die Quote für Minsk. Da der Kanute vom KC Schaffhausen dadurch ohne Druck im B-Finale starten konnte, experimentierte er in der Renntaktik. «Ich versuchte, die Startbeschleunigung zu verlängern und mit einer höheren Schlagzahl das Rennen offensiver zu gestalten. Leider fehlte mir dann am Ende die Kraft für einen Endspurt», verrät Summermatter.
Für den 24-Jährigen reichte es am Ende zu Rang 17. Er meint, dass er damit zufrieden sei; er wisse jetzt zumindest, welche Taktik am besten für ihn passe und habe sein Ticket für die European Games gesichert. Wie Haudenschild gelang ihm am Sonntag über 5000m keine Pareforceleistung. Mit Rang 16 schaute sein bisher schlechtestes Saisonresultat über diese Distanz heraus. Für den Saisonhöhepunkt – die Weltmeisterschaften in Portugal – scheint er trotzdem gerüstet. Taktische Experimente wolle er dort keine mehr ausprobieren, sagt Summermatter. Ob er dort neben dem Einer auch noch im Kajak-Zweier mit dem wegen Studiumsprüfungen abwesenden Fabio Wyss an den Start geht, wird in den nächsten Tagen entschieden. Zu einem ersten EM-Einsatz im Schweizer Dress kamen Alvaro Baturone und Patrick Szale. Baturone ist spanisch-schweizerischer Doppelbürger und Sprintspezialist. Über 200m reichte es ihm bis ins Semifinale. Patrick Szale sorgte mit einer B-Finalqualifikation über 500m für ein Ausrufezeichen. Bei diesem blieb der gebürtige Schweizer, der in Ungarn den Kanusport entdeckte, aber chancenlos und beendete die EM mit Rang 18.

Resultate
Damen
Kajak-Einer
200m (olympisch)
1. Marta Walczykiewicz (POL) 39.697
2. Danuta Kozak (HUN) 0,326
3. Emma Jorgensen (DEN) 0,502
Ferner: Im Vorlauf ausgeschieden, Franzika Widmer

500m (olympisch)
1. Danuta Kozak (HUN) 1:47.742
2. Volha Khudzenka (BLR) 1,020
3. Anna Pulawska (POL) 2,776
Ferner: Im Vorlauf ausgeschieden, Franzika Widmer
1000m
1. Nina Krankemann (GER) 3:57.229
2. Tamara Takàcs (HUN) 0,126
3. Karin Johansson (SWE) 5,416
Ferner: 8. Livia Haudenschild 12,155
5000m
1. Tamara Takàcs (HUN) 22:58.56
2. Sarah Troel (FRA) 28.88
3. Hermien Peters (BEL) 33.14
Ferner: 13. Livia Haudenschild 1:27.61

Kajak-Zweier
500m (olympisch)
1. Manon Hostens / Sarah Guyot (FRA) 1:39.257
2. Erika Medveczky / Tamra Csipes (HUN) 0.190
3. Hermien Peters / Lize Broexx (BEL) 1.155
Ferner: Im Vorlauf ausgeschieden, Livia Haudenschild / Franziska Widmer
1000m
1. Justyna Iskrzycka / Paulina Paszek (POL) 3:31.645
2. Sarah Brüssler / Melanie Gebhardt (GER) 0,270
3. Noémi Pupp / Tamara Csipes (HUN) 4,626
Ferner : Im Halbfinale ausgeschieden, Livia Haudenschild / Franziska Widmer

Herren
Kajak-Einer
200m (olympisch)
1. Carlos Garrote (ESP) 34.655
2. Arturas Seja (LTU) 34.783
3. Marko Dragosavljevic (SRB) 34.801
Ferner: Im Halbfinale ausgeschieden, Alvaro Baturone
500m
1. Josef Dostal (CZE) 1:36.398
2. Oleh Kukharyk (UKR) 0,935
3. Fernando Pimenta (POR) 0,995
Ferner: 18. Patrik Szale 8,279
1000m (olympisch)
1. Fernando Pimenta (POR) 3:29.200
2. Balint Kopasz (HUN) 0,280
3. Max Rendschmidt (GER) 2,320
Ferner: 17. Andri Summermatter (8. Im B-Final) 6,864
5000m
1. Max Hoff (GER) 20:27.96
2. Fernando Pimenta (POR) 10.83
3. Eivind Vold (NOR) 22.65
Ferner: 16. Andri Summermatter 1:51.57

Text: Fabio Wyss
Bild: Swiss Canoe Team