Freizeitpaddler trifft auf die Kanu-Profis im K1 und C1

Donnerstag, 15. Juni 2017 - 0:04

Liebe Kajak- und Kanufreunde

Freizeitpaddler trifft auf die Kanu-Profis im C1 und K1

Als normaler Kajakfahrer im Kanuclub Brugg habe ich im letzten Winter das erste Mal am Wintercup teilgenommen. Mit meinen über 50 Lenzen wagte ich mich in ein Abfahrtsboot, das super schnell aber ebenso kipplig ist. Am Wintercup habe ich alle Rennen von Solothurn, Basel und Brugg am Morgen mit dem Sprint und am Nachmittag mit der klassischen Distanz durch die Klus von Brugg absolviert. Nach dem Einzelstart durch die Klus, wo das Wasser das lange Boot gerne mal 2 Meter versetzt hat, musste man sich schon konzentrieren. Es war für mich eine Herausforderung und die schnellste Linie habe ich sicher nicht gefunden. Nach mir sind noch Frauen gestartet mit den Canadier Einer (C1). Da in den Boot kniend gefahren wird ist der Schwerpunkt noch höher über der Wasserlinie, was die Boote noch kippliger macht. Ausserdem sind sie mit dem Stechpaddel gefahren und nicht mit dem Doppelpaddel wie ich. Nun trotz Vorsprung wurde ich überholt von beiden Frauen. Die Zweite Frau war Sabine Eichenberger von unserem Club, so sieht man welche Leistungen da vollbracht werden. Ich wurde letzter in meiner Kategorie und durfte doch den 3. Platz belegen.

Am Sonntag, den 4. Juni 2017 habe ich den Canoe Worldcup 2017 im Muotathal besucht und als Zuschauer die Leistungen der Athletinnen und Athleten aus 14 Nationen bewundert. Trainiert haben die Kanuten eine ganze Woche bei 35 m3 was schon ein schöner Wasserstand ist. Der Petrus meinte es aber zu gut mit den Kanuten und der Regen hat die Mouta auf über 60 m3 ansteigen lassen. Da haben sogar die Profis grosse Augen gemacht und vor dem Start die 400 m lange Strecke sehr genau angeschaut. Soll der Muotastein rechts oder Links befahren werden? Wo sind die Löcher die man nicht befahren will? Zu nahe an das Kehrwasser darf man auch nicht kommen, sonst macht man ungewollt eine Ehrenrunde, was zu viel Zeit braucht. Diskussionen die nicht enden wollten. Was ging bei den Supersportlern durch den Kopf, mit einem so kippligen und schnellen Boot auf der noch schnelleren Muota zu sprinten? Der kleinste Fehler bringt einen enormen Zeitverlust, in Sekundenschnelle muss man sich immer wieder entscheiden, wie es auf der schnellsten Linie weiter geht. Man muss sich vorstellen, dass bei 65 m3 das Rennen abgebrochen worden wäre und an einem sichereren Ort durchgeführt hätte werden müssen.

Überall an der Strecke waren Sicherheitsleute mit Booten oder Wurfleinen und sogar solche, die an der Leine aktiv in den Fluss gesprungen wären um die Kanuten zu retten. Bei diesem Wasserstand wurden sie auch oft gebraucht. Da sind sogar die Besten der Besten gekentert und mussten in dem reissenden Fluss schwimmen, was weder dem Schwimmer noch dem Boot gut tat. Ein paar dieser schönen und fragilen Boote haben Blessuren und Dellen bekommen. Das war der Tribut von einem herausfordernden und sehr spektakulären Rennen, das nach langer Zeit wieder mal in der Schweiz stattgefunden hat. Ich gratuliere zu diesem zum Glück unfallfreien Rennen.

Die Organisatoren haben aber noch Grösseres vor. Peter Lüthi hatte die Idee und die Initiative, nach 45 Jahren wieder eine Kanu-Weltmeisterschaft auf der Muota zu organisieren. Schon nächstes Jahr, vom 31. Mai bis zum 3. Juni 2018 wird in der schönen Gegend vom Muotathal ein Event der Superlative stattfinden. Ich motiviere alle, sich dieses Datum in der Agenda zu reservieren und an die Muota zu kommen. Ihr werdet dies nicht bereuen. Der Ort um den Muotastein ist prädestiniert, das Rennen hautnah zu verfolgen und sich mit den Sportlern zu unterhalten.

Wenn jetzt in dem Bericht Namen wie zufällig auftauchen sind es halt die, die ich kenne, was das Rennen für mich auch speziell gemacht hat. Da sprintet plötzlich eine kleine Frau an mir vorbei auf dem Fussweg zwischen den Zuschauern durch. Im roten Regenmantel hätte ich sie bald nicht erkannt. Auf der Muota unterwegs sind ihre Schützlinge Jonah Müller und Cornel Bretscher, gerade mal 15 Jahre alt. Die beiden haben es richtig gut erwischt und sind ein super Rennen gefahren. Ihre Trainerin Annalena Kuttenberger empfängt sie im Ziel mit leuchtenden Augen und gratuliert den Jungs, die gerade das Rennen ihres Lebens gefahren sind und so wichtige Erfahrungen gesammelt haben. Nochmals zur Erinnerung, die Muota hat gerade Hochwasser und befahren wird die Schlüsselstelle in einem kippligen Boot.

Nebenbei hat Annalena am Vortag beim Kayak Cross den hervorragenden ersten Platz erreicht. Dass diese Frau den Hut sehr schnell wechseln kann, konnte ich hautnah erleben, als sie als Geschäftsführerin des SKV beim VIP Apéro im Gespräch mit den Gästen Werbung für den Kajaksport gemacht, und geduldig alle Fragen beantwortet hat. Ups, es ist 13 Uhr und schon springt sie wie ein kleiner Wirbelwind mit dem roten Mantel weg durch den Regen, um den Wettfahrern zu Seite zu stehen.

Auch ich begebe mich auf den schönen Wanderweg dem Fluss entlang Richtung Muotastein und treffe dort auf Sabine Eichenberger, die sich die besten Plätze gesucht hat um von Land aus auf den magischen Stein im Hochwasser zu starren. Die erfahrene Kanutin wirkt ruhig, konzentriert, fast selbst wie ein Stein in der Brandung. Sie ist eine von 10 Frauen die gesetzt sind für den C1 Sprint Final.

Wie schwierig die Rennbedingungen sind lässt sich an ein paar Tatsachen in dieser Kategorie ablesen in dieser Kategorie. Der Start wurde oft ausgesetzt und dann doch wieder angesetzt. Die Athletinnen wussten nie so genau woran sie waren. Ein Kollegin, die auch im K1 gefahren ist musste nach einer Kenterung lange schwimmen, so dass sie sich entschied das Rennen im C1 nicht zu fahren. Da waren es nur noch 9 Wettkämpferinnen. Von diesen konnten dann nur 7 das Rennen zu Ende fahren. 2 mussten von den Sicherheitsleuten gerettet werden.

Oberhalb dem Muotastein sehe ich Sabine auf schneller Fahrt. Ich drücke die Daumen und muss erkennen, dass sie rechts vom Stein durchfährt. Das ist sicher nicht nach Plan verlaufen. Eine Kenterung in einem Loch seitlich vom Muotastein lässt mir das Blut in den Adern stocken. Zum Glück kann sie rollen und fährt das Rennen zu Ende. Nach dem 2 Platz über die Klassische Distanz erreicht sie nach dem Rollen noch den guten 4 Platz im Sprint.

So ist sie stellvertretend für alle Kanutinnen und Kanuten auf dem Plakat und wirbt für die WM 2018.
Das Bild stammt von einer Fahrt auf dem Kanal von Augsburg. Einem Kanal wo immer gleiche Bedingungen herrschen. Wo man nicht mit der doppelten Wassermenge überrascht wird am Renntag. Dieses Rennen in der Natur auf der wilden Muota hat mir als Zuschauer sehr gut gefallen. Die Naturgewalt wurde spür- und sichtbar. Was für eine Herausforderung für die Teilnehmer. Welche Entscheidung, was soll riskiert werden und was nicht? Ein Rennen, das allen Athleten und Athletinnen alles abverlangt hat.

Da bleibt ein riesiger Dank den Organisatoren und den vielen Helfern, die ein solches Rennen mit vielen freiwilligen Stunden in Fronarbeit erst möglich gemacht haben. Auch die Geldgeber und Sponsoren haben mitgeholfen für ein gutes Gelingen, dieses einzigartigen Anlasses. Vielen Dank.

Von der Anfahrt mit dem Shuttlebus bis zur Zeitmessung, dem Rettungsteam, den Kommentatoren, dem Kamerateam, dem Verpflegungsteam, der Bereitstellung der Unterkunft bis zur Organisation der Siegerehrung. Um nur einige zu nennen, eine unendlich lange Liste. Der Dank gilt auch allen, die ich in meiner Aufzählung vergessen habe.

Gefreut hat mich, dass einige Medaillen an unser Wettkämpferinnen und Wettkämpfer aus der Schweiz gingen. Gratulation.

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen. Die Athleten und Athletinnen werden dieses schwierige Rennen analysieren, sich wieder motivieren, weiter trainieren mit dem Ziel, die ganze Welt hinter sich zu lassen.

Einen Tag nach diesem eindrücklichen Rennen war ich selber im Slalomboot und habe im Oederlin Baden mit den Wellen gekämpft. Ich war nicht der Schnellste, auch hat nicht alles geklappt, ich habe mich einfach in der Natur mit Freude bewegt und es hat riesig Spass gemacht. Ich erlebte den Fluss wie es viele Breitensportler auch tun, mit Achtung vor der Natur.Im Kopf immer die Bilder von den Athleten, denen Respekt gebührt. Die Leistung kann man nur erahnen, wenn man selber mal in einem Kajak gesessen hat.

Einen kameradschaftlichen Kanugruss, viele Erfolge und eine unfallfreie Zeit wünscht

Christoph Kamber
Finanzchef SKV